Kompetenz in Stahl
Ing. Norbert Novotny im Interview mit DI Dr. Reinhard Walenta, Geschäftsführung KOVAC Stahl KG, nunmehr GmbH & COKG. Der Handel mit Stahlprodukten und die Bearbeitung von Stahl sind die Kernkompetenzen von Kovac Stahl.

Murinsel in Graz – gefertigt mit Laserzuschnitten von Kovac Stahl.
Murinsel in Graz – gefertigt mit Laserzuschnitten von Kovac Stahl.
Das Unternehmen hat seinen Sitz in Graz und beschäftigt an fünf Standorten rund 150 Mitarbeiter. Das traditionsreiche Familienunternehmen wurde 1967 gegründet und hat sich zu einem modernen Stahlhandel und Stahlbearbeitungsbetrieb entwickelt, der alles aus einer Hand liefert. x-technik sprach mit Geschäftsführer DI Dr. Reinhard Walenta über die Entwicklung zum Anarbeitungsbetrieb und die dadurch entstandenen Vorteile gegenüber dem Mitbewerb.
x-technik:
Können Sie uns bitte Kovac Stahl vorstellen?
DI Dr. Walenta:
Dr. Hannes Kovac gründete 1968 unter Beteiligung seiner Schwester Helga Kovac die P. Kovac & Co OHG, die in Graz ihren Betrieb als Schrotthandelsgesellschaft aufnahm. Mit dem Beitritt von Primus Kovac und der gleichzeitigen Einbringung eines Teiles der Firma Karl Waltner & Co in die P. Kovac & Co OHG wurde die Schrotthandelsgesellschaft um einen Gebrauchtmaschinenhandel und Nutzeisenbetrieb erweitert. In weiterer Folge errichtete man einen zweiten Standort und begann 1971 mit dem Verkauf von 2A-Material, d.h. Stahlhandelsware zweiter Qualität. 1976 wurde der Betrieb aus der P. Kovac & Co OHG ausgegliedert und in die neu gegründete Kovac Eisen-Maschinen-Metalle GmbH eingebracht. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen bereits 50 Beschäftigte. Da sich die beiden Geschäftszweige, der Schrottbereich einerseits und der Stahlhandel andererseits, entsprechend weit von einander entfernt hatten, erfolgte 1984 die Trennung in zwei eigenständige Unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits nur noch Stahlhandelsware erster Qualität verkauft.
1986 wurde der Grundstein für eine neue Betriebssparte gelegt. Mit der Anschaffung einer Brennschneideanlage war man nun in der Lage auch Blechzuschnitte zu liefern. In den Jahren 1988, 1992 und 1993 wurden weitere noch größere und modernere Brennschneideanlagen in Betrieb genommen. Die Errichtung einer weiteren Produktionshalle in Graz Gösting für einen Laserschneidbetrieb 1994 war ein weiterer Schritt des Unternehmens, die Produktionsseite zu stärken. Im selben Jahr konnte der Betriebsstandort der Firma Zirl Stahlhandel erworben werden. Im Herbst 1997 kaufte man aus der Insolvenz der Grazer Firma Walch Fensterbau und Fassadentechnik GmbH deren Blechtechnikabteilung mit sechs Beschäftigten. Der Erwerb einer Beteiligung an der Spenglereibedarfsfirma Rosenauer GmbH & Co KG (Linz und Wien), weiters die Übernahme der Firma Ritschka KG, ein Laserschneid- und Komponentenfertigungsbetrieb in Brunn am Gebirge, und die Eingliederung der Firma Dobnik, ein Betrieb für mechanische Fertigung, waren weitere wichtige Expansionsschritte für die Kovac Stahl KG. Heute erwirtschaftet die Unternehmensgruppe mit 150 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von EUR 44 Mio.
x-technik:
Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?
DI Dr. Walenta:
Nach dem Studium hier in Graz habe ich bei Siemens SGP, dem Drehgestellkompetenzzentrum der Siemens Verkehrstechnik, meine Berufslaufbahn begonnen. Nach einigen Jahren in der Forschung und Entwicklung – ich beschäftigte mich mit der Auslegung von Drehgestellen für Schienenfahrzeuge - wechselte ich ins Produktmanagement für Drehgestelle bzw. in die Einkaufsleitung. Um weitere Erfahrungen zu machen, war ich zwei Jahre für die Südtiroler Firma Leitner, einem großen Seilbahnhersteller, tätig. Im März 2005 bin als zweiter Geschäftsführer neben Dr. Christian Kovac bei Kovac Management, dem Geschäftsführungsunternehmen der operativen Kovac-Gesellschaften eingestiegen, in der ich für den Stahlbereich zuständig bin.
x-technik:
Was ist die heutige Kernkompetenz von Kovac Stahl?
DI Dr. Walenta:
Unsere beiden Standbeine sind der klassische Stahlhandel und die Anarbeitung. Die Stärke unseres Unternehmens ist ein sehr breites Spektrum an Stahlprodukten und deren Bearbeitungsmöglichkeiten; vom Blechzuschnitt mittels Laser-, Autogen-, Plasma- und Wasserstrahlschneidanlagen, über die mechanische Fertigung wie Drehen, Fräsen sowie Abkanten, bis zur Endfertigung von Blechkomponenten und einfachen Schweißkonstruktionen reicht unser Angebot. Die Kunden erhalten alles aus einer Hand. Unsere zweite Stärke ist die Kurzfristigkeit der Lieferung. Wir haben ein umfangreiches Materialsortiment in allen gängigen Qualitäten und Dimensionen auf Lager. Lagernde Stahlhandelsprodukte liefern wir am nächsten Tag und auch in der Anarbeitung bei Blechzuschnitten liefern wir innerhalb von zwei bis drei Tagen. Sowohl im Laser- als auch im Autogenbetrieb arbeiten wir dreischichtig.
x-technik:
Welche Maschinen haben Sie im Einsatz?
DI Dr. Walenta:
In Graz wird auf vier Laserschneidanlagen von Trumpf und Bystronic, vier Brennschneidanlagen und einer großen Tandemabkantpresse von Bystronic gefertigt. Auch in der der spanabhebenden Fertigung sind wir gut aufgestellt. In Brunn am Gebirge sind drei Flachbettlaseranlagen von Bystronic, eine Rohrlaserschneidanlage von Trumpf und eine Wasserstrahlanlage von Bystronic sowie diverse Abkantpressen und verschiedene weitere Bearbeitungsmaschinen im Betrieb.
x-technik:
Bei welchen Anwendungen wird das Laserschneiden hauptsächlich verwendet? Was sind die Vorteile gegenüber alternativen Verfahren?
DI Dr. Walenta:
Zuschnitte bis zu einer Blechstärke von 25 mm bei Bau- und Edelstahl und 20 mm bei Aluminium können mit dem Laser im Vergleich zum Autogen- oder Plasmaverfahren viel schneller und mit einer wesentlich besseren Schnittqualität durchgeführt werden. Im Allgemeinen ist das Nacharbeiten eines Laserschnittes nicht mehr notwendig. Größere Blechstärken werden nach wie vor plasma- oder autogengeschnitten. Das Stanzen als Alternative zum Laser im Dünnblechbereich wird erst bei sehr großen Stückzahlen interessant. Bei Kleinserien ist das Laserschneiden konkurrenzlos.
Neue Anwendungsgebiete eröffnen sich durch unsere Rohrlaser-Schneidanlage. Jede nur erdenkliche Kontur, komplexe Geometrie oder exakte Bohrbilder können aus Stahl-, Edelstahl und Aluminiumrohren geschnitten werden. Wir sind in der Lage, alle konventionellen Verfahren wie Sägen, Anreißen, Körnen und Bohren in einem Arbeitsgang, und dies viel genauer, mit dem Rohrlaser durchzuführen.
x-technik:
Welche Anforderungen können Sie mit Wasserstrahlschneiden abdecken?
DI Dr. Walenta:
Das Wasserstrahlverfahren wird für das Zuschneiden von Kunststoffen, Glas, Stein und Verbundwerkstoffen verwendet. Ein weiteres Einsatzgebiet ist das Metallschneiden, bei dem keine Wärmeeinflusszone an der Schnittkante entstehen darf und somit das Gefüge an der Schnittkante homogen bleibt. Dieses Verfahren ist sehr vielfältig einsetzbar. In vielen Fällen ersetzt diese Technologie die Kombination eines thermischen Trennverfahrens mit einer darauffolgenden mechanischen Bearbeitung. Es gibt kaum einen Werkstoff, den man mit Wasserstrahl nicht schneiden kann, auch bis zu sehr großen Stärken – bis weit über 25 mm hinaus.
x-technik:
Welche Trends erkennen Sie in der österreichischen metallverarbeitenden Industrie?
DI Dr. Walenta:
Der Trend geht meiner Meinung nach weiter in Richtung Vorfertigung. Immer mehr Unternehmen lagern gewisse Anarbeitungsschritte aus, weil man diese im eigenen Haus nicht wirtschaftlich durchführen kann. Insofern gilt für uns, das Spektrum der Anarbeitung weiter auszubauen. Neu in Betrieb genommen haben wir deshalb auch eine Walzrichtmaschine, mit der wir in der Lage sind, Bleche mit engen Toleranzgrenzen bezüglich Ebenheit zu richten, z.B. für das Verschweißen von Blechen mit Robotern.
Im Stahlhandel müssen wir uns als kleinerer Händler in Zukunft sicher noch mehr auf Produktnischen und auf den möglichst automatisierten Zuschnitt konzentrieren. Eine Trendrichtung scheint die Oberflächenbehandlung zu sein, d.h. – neben dem Zuschneiden der Stahlhandelsprodukte wird auch eine individuelle Oberflächenbearbeitung gefordert.
x-technik:
Wie wirkt sich der hohe Stahlpreis auf einzelne Branchen aus?
DI Dr. Walenta:
Ich glaube, dass dieser extreme Preisanstieg längerfristig nicht günstig für den Baustoff Stahl ist, da es in manchen Bereichen doch Möglichkeiten gibt, alternative Werkstoffe einzusetzen. Ich denke hier an den Hallenbau. Im Maschinen- und Fahrzeugbau sehe ich die Situation nicht so kritisch, weil dort erstens der Materialanteil am Gesamtpreis des Produktes nicht so wesentlich ist und zweitens der Stahl durch andere Materialien schwieriger zu ersetzen ist.
x-technik:
Sie sind auch außerhalb Österreichs tätig – wo liegt Ihr Hauptmarkt?
DI Dr. Walenta:
Unser Hauptmarkt ist vor allem die südöstliche Hälfte Österreichs – Steiermark, Kärnten, Osttirol. Der Norden und Osten – Burgenland, Niederösterreich, Wien – wird aber immer stärker ausgebaut, wie auch die südosteuropäischen Märkte. Wir exportieren immer mehr nach Slowenien, Kroatien, Bosnien und Ungarn.
x-technik:
Was sind Ihre kurz-, mittel- bzw. langfristigen Ziele für Kovac Stahl?
DI Dr. Walenta:
Unsere wesentlichen Ziele sind der weitere Ausbau der Anarbeitung und des Serviceangebotes. Zudem möchten wir in den südosteuropäischen Märkten unsere Marktanteile steigern und einen Produktionsstandort installieren – momentan in Kroatien. Wir wollen weiter kontinuierlich wachsen, einerseits aus eigener Kraft, aber auch durch eventuelle Zukäufe oder Beteiligungen. Im Herbst 2005 haben wir eine Strategie für fünf Jahre aufgestellt. Damals war die Umsatzverdoppelung von EUR 35 Mio. auf EUR 70 Mio. unser Ziel. Im letzten Jahr wurden EUR 44 Mio. umgesetzt und wir sind guter Dinge, dass wir heuer über EUR 50 Mio. schaffen.