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Scharfes Wasser - präziser Schnitt

31.05.2007: Bystronic Austria


Job-Shop ist mit Wechseltisch-Anlage immer schnittbereit. Leder, Stein, Stahl – kein anderes Schneidverfahren ist so vielfältig wie das Wasserstrahlschneiden. Florian Baumann, Inhaber der Salzburger CutCut, geht seinen eigenen Weg – und das sehr erfolgreich.

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Kein anderes Schneidverfahren ist so vielfältig wie das Wasserstrahlschneiden.

Kein anderes Schneidverfahren ist so vielfältig wie das Wasserstrahlschneiden.

Als erstes Unternehmen in Österreich betreibt er einen Byjet mit Wechseltisch und lässt so die Maschine rund um die Uhr arbeiten.

Der Jungunternehmer Florian Baumann betreibt in Salzburg einen Job-Shop und konzentriert sich auf Wasserstrahlschneiden. Mehrere Maschinen, unter anderem im Schwesterbetrieb in Edt/Oberösterreich und in Saaldorf/Süddeutschland, machen das engagierte Unternehmen sehr flexibel. Neben dem Tages-Geschäft kommen hin und wieder auch sehr exklusive Aufträge zustande. So wie jener eines Salzburger Goldschmiedes, der selbst für CutCut ungewöhnlich war. Baumann sollte aus einem EUR 9.000,- „schweren“ Goldbarren ein Uhrgehäuse schneiden - genau ein Stück. Und das sofort oder zumindest sehr kurzfristig.

Für Eilaufträge immer frei

24 Stunden läuft die Wasserstrahl-Schneidmaschine Byjet am Tag, rund um die Uhr. Allerdings, Aufträge wie jener des Goldschmiedes stehen – zumindest was die Dringlichkeit betrifft – häufig auf der Tagesordnung. Deswegen hält Baumann Fenster für Eilaufträge frei. Eingestiegen ist er ins Unternehmen vor neun Jahren, vor drei Jahren hat er CutCut übernommen und führt die Firma mit rund 20 Mitarbeitern an drei Standorten sehr erfolgreich. Allerdings weiß der gelernte Feinwerkmechaniker und Meister dieses Fachs auch, dass das Unternehmen auch organisch wachsen muss.

Gestandene Kunden schätzen die Technik. Baumann und sein Team arbeiten unter anderem für die Air Race-Abteilung von Red Bull, für Lieferanten an Lamborghini oder für einen namhaften Formel 1-Rennstall. Im Gegensatz zu den Wettbewerbern, die andere Verfahren anwenden, ist
CutCut weder auf bestimmte Branchen, noch auf bestimmte Materialien festgelegt. Das muss auch nicht sein, denn der mit Abrasiv (Schneidsand) versetzte Wasserstrahl als Schneidwerkzeug ist prinzipiell für jedes Material geeignet. Obwohl der Byjet laut Datenblatt eine maximale Schnittgeschwindigkeit von 50 m/min (maximale simultane Positioniergeschwindigkeit = 84 m/min) fahren kann - bei Dünnblech würde Baumann nicht unbedingt mit einer Laserschneidanlage von Bystronic konkurrieren wollen. „Unsere Stärke ist eher die große Bandbreite“, sagt Florian Baumann.

Insgesamt werden drei Schnittqualitäten angeboten. Bezeichnend für CutCut ist, dass schon der Qualitätsschnitt als Standard gilt. Für Teile, die ohnehin noch nachbearbeitet werden müssen, reicht der Trennschnitt, die schnellste Variante. Sichtbare Kanten, sehr feine oder sehr genau zu arbeitende Teile erfordern einen Feinschnitt. Welche Schnittqualität zum Tragen kommt, hängt von der weiteren Verarbeitung ab – in Kundengesprächen immer ein ernsthaft diskutierter Punkt. Baumann kann da aus einem mittlerweile reichhaltigen Erfahrungsschatz schöpfen und entsprechend beraten: „Wird ein Teil anschließend verschweißt, macht ein Qualitätsschnitt Sinn, weil ohne weitere Nachbehandlung geschweißt werden kann.“

Erste Anlage mit Wechseltisch

Bei der Erweiterung der Fertigungskapazitäten hatte Baumann das Anforderungsprofil der neuen Maschine vor dem Kauf schnell skizziert: „Für unsere Anwendung als Dienstleister brauche ich eine robuste und zuverlässige Maschine, auf der ich alles schneiden kann.“ Für ihn lohnte sich dann auch ein Messebesuch, denn von den Maschinen in der engeren Auswahl konnte Baumann schließlich eine Vorführmaschine, den Byjet 4022 kaufen. Die allerdings ließ er mit einem Wechseltisch gleich für den vollautomatischen Betrieb ausrüsten. Dass er damit der erste und bislang auch einzige Betrieb in Österreich mit einer solchen Wechseltisch-Anlage ist, interessiert den gebürtigen Bayer nur am Rande.

Von den vorab geforderten Eigenschaften schätzt der junge Unternehmer heute vor allem drei Dinge: „Ganz wichtig
ist die Zuverlässigkeit, damit ich tatsächlich einen 24-Stunden-Betrieb fahren kann. Ein großer Vorteil der Anlage ist auch, dass sie zwei parallel arbeitende Schneidköpfe hat.“ Der dritte Pluspunkt sei die CAD/CAM-Software Bysoft, die genau zur Maschine passt. Die Bedienung der Software ist trotz der vielfältigen Möglichkeiten einfach, die Oberfläche übersichtlich. Einzelne Parameter lassen sich sogar im laufenden Betrieb ändern, so dass keine Zeit für die Optimierung verloren geht. Mit den voreingestellten Parametern und Schnittgeschwindigkeiten lässt sich gut arbeiten, obwohl im Einzelfall oft noch etwas getüftelt wird, um tatsächlich das Optimum zu erreichen. Nur mit „Wasser marsch“ ist nicht in allen Fällen das passende Ergebnis zu erzielen.

Wo immer es möglich ist, werden unterschiedliche Aufträge in einen Schneidplan zusammengefasst. Und der Übergang von einem Plan zum nächsten funktioniert mit dem Byjet automatisch im Handumdrehen: „Während die Maschine schneidet, kann ich das Material vorbereiten“, so Baumann. Bis auf den Wechsel der Tische binnen weniger Sekunden gibt es keine Stillstandzeiten für die Schneidanlage.

Fünf Liter pro Minute mit einem Druck von 3.800 bar würde die Bypump 50 APC als Wasserstrahlquelle liefern. Bei CutCut beschränkt man sich auf 3.600 bar, das mindert den Verschleiß. Deshalb ist auch die Versuchung gering, ein bisschen am Druckniveau zu manipulieren. „Für uns als Lohnfertiger kommt es darauf an, dass das ganze System möglichst schnell, aber auch möglichst zuverlässig läuft“, erzählt der Firmeninhaber und pflegt regelmäßig mit den Bystronic Technikern einen Gedankenaustausch, um seine Erfahrungen aus der Praxis zu vermitteln: „Wir geben dem Hersteller Anstöße, was wir an speziellen Features, besonders bei der Software zusätzlich brauchen können, um noch effizienter zu arbeiten.“ „Solches Kundenfeedback fließt anschließend selbstverständlich in die Weiterentwicklung von Hard- und Software“, weiß Dietmar Leo, für Bystronic Austria als Verkäufer tätig.

Kein Material, das CutCut nicht schneidet

Werden Muster
geschnitten, hat es Baumann gerne, wenn der Kunde dabei ist. Dann lassen sich Details sofort klären und das Schnittbild bewerten. Wer mag, kann direkt neben der Maschine den Schneidvorgang beobachten. Der fein eingestellte Byjet konzentriert seinen Wasserstrahl ganz auf das Material. Bei vielen, aber nicht bei allen Materialien, ist Wasserstrahlschneiden ideal. Leder, Stein, Metall lassen sich ohne oder mit Abrasivmaterial im Schneidstrahl sauber trennen. Eine Eigenschaft, die das Wasserstrahlschneiden selbst im Vergleich zum Laserschneiden interessant macht, liegt auf der Hand: „Es gibt verfahrensbedingt keinerlei Verzug, keine thermische Beanspruchung und keine Aufhärtung in der Randschicht“, sagt Florian Baumann. Allerdings, das geben die Protagonisten der Wasserstrahl-Technik zu, haben die Laser-Job-Shops diese Problematik durchaus sicher im Griff.

Doch wenn es beispielsweise an Verbundwerkstoffe, Carbonmaterial oder Keramik geht ist der feine Wasserstrahl hinsichtlich Schnittqualität und Kosten nur schwer zu schlagen. Gleiches gilt auch für Nicht-Eisen-Metalle wie Aluminium, Kupfer, Messing oder Titan. Vom Werbegrafiker bis zum Steinmetz, vom Motorsport bis zum Militär reicht deshalb das Kundenspektrum. Neue Kundenkreise will sich Baumann durch die zusätzliche Drehachse erschließen. Mit dieser Option können Rund- und Profilrohre bis 3700 mm Länge und einem maximalen Durchmesser von 440 mm wirtschaftlich bearbeitet werden. Für Kunden dürften auch Dienstleistungen attraktiv sein, die er seit 2007 anbieten kann. Mit dem Kauf eines Byjet L 6030 mit einer Gesamtarbeitsfläche von sechs auf drei Meter, die in einzelne Schneidbereiche unterteilt werden kann, lassen sich Bleche und Tafel unterschiedlicher Materialart und -dicke gleichzeitig auf den Schneidtisch laden und Teile können unbeaufsichtigt gefertigt werden.

Ab diesem Zeitpunkt steht nicht nur Österreichs einzige Wechseltisch-Anlage, sondern auch Österreichs größte Wasserstrahlschneidanlage bei CutCut. Außerdem will Baumann künftig auch stärker in der Lohnfertigung für Frästeile „wildern“. Sehr erfolgreich hatte er nämlich im Frühjahr letzten Jahres Teile aus V4A-Stahl geschnitten, bei denen zuvor dutzendweise Fräswerkzeuge aufgearbeitet worden waren. Selbst Kevlar-Platten
für Minenräumfahrzeuge hat CutCut per Wasserstrahl geschnitten.

Grate bilden sich natürlich auch beim Wasserstrahlschneiden. Sie sind jedoch sehr einfach zu entfernen, da das Material ja nicht thermisch beansprucht und an der Kante aufgeschmolzen wurde. Vor Ort kann man sich davon am besten überzeugen. Und wenn dabei eine Badewanne in der Ecke der Fertigungshalle auffällt - das hat nichts mit übertriebener Reinlichkeit zu tun und ist auch nicht als zusätzlicher Auffangbehälter für das Schneidmedium gedacht. Anhand der Badewanne konnte Baumann einen Auftraggeber davon überzeugen, dass sich selbst emaillierter Stahl gut schneiden lässt, ohne dass die Beschichtung leidet.

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