Zu Höherem berufen
Kaum sind sie geschnitten, verschwinden sie meist auf Nimmerwiedersehen. Blechteile sind selten Hauptdarsteller. Teile, die über die beiden Bystar-Anlagen von Bystronic bei der Valenta GmbH & Co. KG aus Fieberbrunn gelaufen sind, haben dagegen gute Chancen, für alle gut sichtbar im Rampenlicht zu stehen...

Bei der Otto Valenta GmbH wird nicht nur geschnitten, sondern auch abgekantet – unter anderem mit einer Hämmerle 3P 130 von Bystronic.
Bei der Otto Valenta GmbH wird nicht nur geschnitten, sondern auch abgekantet...
...Meist sind die Konstruktionen aus Fieberbrunn zu Höherem berufen - und das ist wörtlich gemeint. Drei Beispiele: Leichtbauverkleidungen aus Aluminium auf dem Dach der BMW-Konzernzentrale in München, Beleuchtungskörper am Flughafen Dubai oder die Aussichtsplattform mit Panoramabar „Top Mountain Star“ in Obergurgl auf 3.080 m Höhe.
Die genannten Bauten gehören sicher zu den exklusivsten Konstruktionen des Tiroler Unternehmens. Otto Valenta, der das Unternehmen 1964 als Schlosserei gegründet hatte, hinterließ seinem Sohn Josef einen ordentlich geführten Betrieb, wie es eben viele Handwerksbetriebe gab. „Das Besondere zu erreichen“ war indes schon immer das Bestreben des jetzigen Inhabers. Wobei das Besondere für Josef Valenta immer auch in einer hervorragenden Qualität liegt. Das spricht sich herum bei Architekten, in Vorstandsetagen und bei prominenten Auftraggebern, und da kann man dann schon einmal im Wintergarten des World-Class-Hotels Bayerischer Hof in München verhandeln. Wenn sich dann das Dach des Wintergartens öffnet, voilà, so etwas baut Valenta.
Mut zu großen Projekten
Bei Projekten wie Dubai, München oder Obergurgel gibt Josef Valenta nicht etwa nur ein Angebot ab. Über ein weit verzweigtes Kontaktnetz sammelt er frühzeitig Informationen. Zur Auftragsverhandlung erscheint er schon mit einem Modell, das die wichtigsten Vorzüge seiner Konstruktionen deutlich macht. Die vom Auftraggeber für den Flughafen in Dubai vorgesehene geschweißte Stahlrohr-Konstruktion verwarf er und demonstrierte seine Laserschnitt-Konstruktion: „Das hat prima funktioniert. Wenn die Lösung überzeugt, muss man keine Aufträge über den Preis gewinnen.“ Aber selbstverständlich gibt es auch die ganz alltäglichen Aufträge. Valenta: „Wir arbeiten sehr viel mit kleineren Metallbauern zusammen, die wissen, dass wir ihnen bei kleineren Aufträgen nicht ins Gehege kommen.“ Diese Unternehmen nutzen allerdings bei Valenta die Vorteile des Laserschneidens. Rund 25 Prozent des Umsatzes erzielt das Unternehmen im Jobshop-Betrieb, bezogen auf die Laserschneidanlagen sind es sogar 75 Prozent.
Laserschneiden als weiteres Standbein
Diese Domäne hat der Chef vor über zehn Jahren initiiert: „Es war schon immer mein Bestreben, über die Qualität zu wachsen und nach vorne zu kommen.“ Zusammen mit seinem Betriebsleiter war Josef Valenta auf der Suche nach einem zweiten Standbein für das Unternehmen, um den von der Baukonjunktur abhängigen Metallbau zu entlasten. Auf der Intertool Messe in Wien standen die beiden dann „wie die Kinder vor dem Weihnachtsbaum“, als sie die Bystar Laserschneidanlage sahen, die dann im Folgejahr im eigenen Betrieb installiert wurde.
Mit dem Laser, so rechnete sich Valenta aus, könnte er für seinen Metallbau mehr als mit jedem anderen Verfahren wirtschaftlich Schneidteile produzieren und wäre darüber hinaus in der Lage, sehr variabel, für eine große Bandbreite von Industrien, Auftragsfertigung zu betreiben. Die Bystar von Bystronic zählte schon damals zu den flexibelsten Laserschneidanlagen im Markt und so darf man sich auch nicht wundern, dass den Ausschlag für ihre Anschaffung die optionale Drehachse gegeben hat, mit der auch Rohre und Profile bis zu einer Länge von 2700 mm und Durchmessern zwischen 15 und 315 mm bearbeitet werden können. Die Anlage war etwas so ganz nach Valentas Geschmack: Übersichtlich konstruiert, einfach zu bedienen, nicht in jedem Betrieb zu finden und im Einklang mit seiner simplen wie prägnanten Strategie: „Wir wollen die Besten sein.“ Für die freien Kapazitäten an der Maschine fanden sich wie vermutet rasch dankbare Abnehmer. Zusammen mit der Arbeitseinstellung und dem versprechen an die Kundschaft, Laserteile „just in time“ zu liefern, führte dies zu einer guten Auslastung der ersten Bystronic Anlage, dann zu einer maximalen Auslastung und schließlich im Jahr 2001 zum Kauf einer zweiten Bystar. Diese verfügt allerdings mit 4 kW Leistung über mehr Power hat als ihre ältere Schwester mit 2,8 kW, die aber auch heute noch zuverlässig ihre Dienste verrichtet.
Geschnitten wird alles, was auf den 4-kW-Anlagen machbar ist. Und das ist allerhand: Stahl bis 20 mm, Edelstahl und Aluminium bis 12 mm sowie – man höre und staune – Messing bis 3 mm. Sogar goldbedampftes Edelstahlblech wurde neuerdings geschnitten und zwar supersauber wie der Firmenchef anmerkt. Der Anteil am Rohrschneiden ist heute allerdings nur noch verschwindend gering. Doch missen möchte keiner die Einrichtung. Denn damit kann man Kunden ein Extra anbieten. Auf beiden Bystar Anlagen werden die gleichen Formate verarbeitet. Das hilft auch, das Lager nicht über Gebühr auszudehnen. „Größer wäre zwar manchmal besser“, meint Inhaber Josef Valenta. Aber in den meisten Fällen käme man mit dem Format 3000 x 1500 mm gut zurecht.
Apropos Lager
Beim Vorwärtsdrang des Unternehmens mussten über die Jahre auch immer wieder neue räumliche Kapazitäten geschaffen werden. Damit man den Betrieb dennoch auch optisch als Einheit wahrnimmt, beauftragte Josef Valenta einen Industriedesigner, die Betriebsgebäude so zu gestalten, dass man ihnen die Jahresringe nicht ansieht. Da bot es sich an, das turmartige Blechlager gleich als Aushängeschild zu gestalten. So zeigt nun die Blechfassade mit geschnittenen, gebogenen und profilierten Elementen weithin sichtbar, womit man sich bei Valenta beschäftigt. Als Krönung des Turms verkündet das Firmenschild den Slogan: „Valenta – macht Metall genial.“
Zwischen 100 und 150 Tonnen Blech vieler unterschiedlicher Qualitäten sind je nach Auftragslage in den 129 Fächern des Lagerregals gelagert. Aluminium, Stahl, Edelstahl: Für einen schnellen Auftrag ist eigentlich immer Standardmaterial vorrätig. Wird ein Auftrag abgerufen, zeigt das Lagerverwaltungssystem dem Arbeitsvorbereiter, ob und wenn ja, wie viel Material vorhanden ist. Ausgelagert wird sozusagen per Knopfdruck, also automatisch. Mit einem Bytrans 3015 Handling wird das Material von der Ausgabeposition des Lagerturms entnommen und auf den Wechseltisch der jeweiligen Maschine gelegt. Die standardmäßige Ausführung als Portal hat sich auch bei schnellen Materialwechseln bewährt.
Abkantpressen für Blechkantteile bis 3.000 mm Abkantlänge
Ideen von Kunden werden jedoch keineswegs nur zweidimensional umgesetzt. Es wird also nicht nur geschnitten, sondern auf zwei Maschinen auch abgekantet. „Die Verkäufer von Bystronic haben einen tollen Job gemacht“ erinnert sich Valenta an die Beschaffung seiner zweiten Abkantpresse. Seit 2005 steht eine Hämmerle 3P 130 von Bystronic in der Werkhalle. Die 3-Punkt-Biegemaschine ist gedacht für Blechkantteile bis 3.000 mm Abkantlänge. Die Technik lässt sich plakativ in drei Schlagworten zusammenfassen: variable Biegewinkel, gleich bleibende Biegekraft und exakt definierte Biegepunkte.
Zur schnellen und genauen Umsetzung der Aufträge trägt auch bei, was sich neben den Maschinen, namentlich in der Arbeitsvorbereitung abspielt. Dort allein sind fünf Leute beschäftigt. „Das ist keineswegs ein Luxus oder eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“, erklärt der Firmenchef. Grund für die vermeintlich reichliche Besetzung: „Wir haben sehr viele individuelle, kurz laufende Aufträge. Da sind die Burschen ganz schön ausgelastet.“ Entlastung erfahren „die Burschen“ dadurch, dass Laserschneidanlagen und Abkantpresse vom selben Anbieter stammen, denn so können die CAD/CAM-Arbeiten mit ein und derselben Software durchgeführt werden. Und zwar mit dem Bystronic Programmpaket Bysoft.
Investition in die Zukunft
Josef Valenta investiert auch in punkto Nachwuchs in die Zukunft: In der Region ist das Unternehmen ein angesehener Ausbildungsbetrieb. Und wo wir schon beim Thema Zukunft sind: In welche Richtung wird es mit dem Unternehmen weitergehen? „Schauens“, meint Valenta, „wenn man auf den Skiern die Piste runterfährt, geht’s steil bergab. Wenn es mit dem Betrieb auch weiterhin auch nur halb so steil bergauf geht, wäre das schon eine sehr gute Sache.“